Der Weser-Kurier berichtet – Eine Replik

Der WESER-KURIER berichtet heute (Ausgabe 16.02.2016, hier als ePaper) auf seiner Titelseite unter der Überschrift „Böses Blut – Eine Frage des Risikos“ über meinen Beitrag einer nötigen Anpassung der Gesetzeslage für die Blutspende homo- und bisexueller Männer in Deutschland (SKANDAL!).

Das Interview mit der Redakteurin Silvia Pucyk war selbstredend umfangreicher und ein Artikel wie „Einbrecher reißen Tresor aus der Wand“ (!!!!!!) sicherlich bedeutender und wichtiger als eine aufklärende und ausgeglichene Berichterstattung, wie man sie von einem Medium wie dem WESER-KURIER erwarten müsste.

Herr Lübbo Roewer (hier in seinem Esszimmer.) sagt stellvertretend für den DRK-Landesverband: „Homosexuelle haben ein höheres Risiko für Infektionskrankheiten.“ Infektionen wie Schnupfen zum Beispiel. Weil homosexuelle mehr Sport treiben und länger an der kalten Luft sind. Sic!

Er sagt: „Je intensiver eine Prüfung erfolgt, desto höher sind die finanziellen Ausgaben – Wollen wir tatsächlich doppelt so hohe Kosten im Gesundheitswesen?“. Dramatischer Tusch: Dödödöööööm.

Doppelt so hoch? Sicher! Da hat er gleich doppelt nicht richtig nachgerechnet, es sei denn Herr Roewer geht davon aus, dass alle ausgeschlossenen Gruppen der Blutspende 50% der Bevölkerung ausmachen, was wiederum ein kleiner Skandal wäre und die Frage aufkommen lässt, warum man diese 50% von vornherein ernsthaft ausschließen möchte? Egal.

Er fragt also indirekt: WOLLEN WIR TATSÄCHLICH GLEICHBERECHTIGUNG? UND DANN NOCH AUF KOSTEN ALLER? AUCH DEN NICHT-SCHWULEN? Perfide! Skandal! Das wäre ja so, als würden wir auch für die eintreten müssen, die benachteiligt werden. Pfui. Was kommt als nächstes? Flüchtlingen helfen? Behindertenparkplätze?! Frauenhäuser?!

Echt super Argumente also vom Pressesprecher des DRK Bremen. Ich frage Sie, Herr Roewer gerne direkt: Sie wollen also nicht, dass ich Blut spenden darf, obwohl ich nachweislich gesund bin? Ich kann Ihnen gerne meine Arztbesuche aufschlüsseln und belegen, dass mein Blut ausgesprochen schön und im besten Zustand ist.

Würden Sie Ihre Sätze wiederholen, wenn wir beide zusammen jemanden besuchen würden, der mein Blut dringend braucht? Oder würden Sie ihm sagen: „Sorry, aber wollen wir wirklich doppelt so hohe Kosten im Gesundheitswesen nur damit Sie gerettet werden?“

Übrigens wurde ich falsch zitiert. Im WESER-KURIER steht: „Von einer Einzelfallprüfung hält auch Phil Porter nichts. „Wenn es um das Liebesleben geht, lügen doch die meisten Befragten.“ und „Welcher Heterosexuelle würde schon zugeben, dass er viele verschiedene Sexualpartner habe?““

Ich halte von einer Einzelprüfung durchaus etwas, weise aber darauf hin, dass sie nur Sicherheit vorgibt. Einzig und allein ein Bluttest kann Sicherheit bringen und auch nur dann, wenn er medizinisch einwandfrei belegen kann, dass das Blut des Spenders verwendbar ist oder nicht. Welcher heterosexuelle Mann würde zugeben, dass er viele verschiedene Sexualpartner habe?! Ich würde mal behaupten, dass ich heute Abend in der Bar wieder ein paar Herren kennenlerne, die mit ihren Bettgeschichten prahlen.

Im Einzelfall vielleicht nicht mehr. Dann nämlich, wenn es darum geht, im Fragebogen das richtige Kreuz zu setzen, um für die Blutspende entlohnt zu werden. Ich würde gleiche Boshaftigkeit auch auf homosexuellen Männern beziehen, wenn sie wenigstens zum Bluttest vorgelassen werden würden – also Spenden könnten.

Und übrigens: Im Artikel konnten aufgrund der Platzbegrenzung („Einbrecher reißen Tresor aus der Wand“) einige wichtige Fakten nicht untergebracht werden. Deswegen haben mein Team und ich all das, was nicht im Artikel steht, aber wichtig für eine aufklärende und ausgeglichene Berichterstattung ist, zusammengestellt. Machen wir natürlich gerne, lieber WESER-KURIER. Vielleicht habt ihr ja das nächste Mal ein paar Zeilen mehr parat, um Eurem Bildungsauftrag nachzukommen, statt einfach zu widerlegende Floskeln und/oder für die Öffentlichkeit nicht sehr relevante Polizeimeldungen abzudrucken.

Was im Artikel fehlt:
– HIV hat nichts mit der sexuellen Neigung zutun.
– Sexuelle Präferenzen können sich im laufe eines Lebens ändern.
– Homosexuelle von vornherein auszuschließen widerspricht meinem Verständnis unseres Grundgesetzes.
– Portugal, Lettland und Polen (WTF) erlauben die Blutspende von homosexuellen Männern ohne Wartezeit
– Spanien und Italien erlauben die Blutspende von homosexuellen Männern mit Wartezeit
– Homosexuelle Männer haben nicht eine größere Anzahl wechselnder Partner als heterosexuelle Männer
– Fallzahl an infizierten Personen durch Infusionen viel zu gering um repräsentativ zu sein (sogar unter 10 Personen).
– Gegenbeweis zu den ärztlichen Studien sind die vielen ungezählten Homo- und bisexuellen Männer, die sich als Heterosexuell ausgeben um ihr Blut zu spenden und trotzdem niemanden anstecken.
– Da die höhere Gefährdung mitunter auch durch Analsex erklärt wird: Wie viel Prozent heterosexueller Männer haben Analsex mit ihrer Partnerin? Warum dürfen diese dann trotzdem spenden?
– Aids war noch nie eine „Schwulen-Seuche“ sondern schon immer das böse Erwachen fehlender Aufklärung und freier Liebe ohne Kondome – frei von sexueller Präferenz.

Und mal ehrlich:

-Scheißegal von welchem Blut jemand gerettet wird, es gibt schließlich zu wenig Blutkonserven.

Es ist nicht entscheidend, mit wem man Sex hat. Es ist wichtig, dass man verhütet!

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