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HASHTAG
Heute: #vertrauen

In unserer Rubrik HASHTAG gehen wir zu einem bestimmten Thema in Stellung und möchten von Euch wissen: Teilt ihr unsere Ansicht, oder habt ihr andere Erfahrungen gemacht?

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Hashtag #vertrauen

Allgemeinhin wird der Fotograf gerne als technisch versierter sowie kreativ herausfordernder Beruf beschrieben. Zweifelsohne kommt kein Punkt ohne den anderen aus. Eine entscheidende Komponente allerdings wird viel zu selten diskutiert, weshalb ich heute gerne eine These in den Raum werfen möchte, die mich momentan stark beschäftigt:

Der Fotograf als Psychologe

In so ziemlich allen Foren für Fotografen diskutieren ehrenwerte Kollegen über die Präferenz ihres Stammes. Die einen meinen, dass das technische Können Grundstein für gutes, erfolgreiches Fotografieren sei, während die anderen meinen, die Kreativität wäre die treibende Kraft des Berufsstammes. Andere wiederum sind so geistreich, beide Punkte einzubeziehen. Glückwunsch.

So man Menschen fotografiert oder fotografieren möchte kommt ein entscheidender dritter Punkt hinzu: Psychologisches Grundverständnis. Wie tickt der Mensch? Wie lässt er sich beeinflussen? Befreien? Wann setzt er eine Maske auf und wie nehme ich ihm diese Maske wieder ab?

In keiner Ausbildung, sei es zum Fotografen oder zum Mediengestalter, bekommt man etwas derartiges beigebracht – und doch ist der psychologische Aspekt neben der technischen und kreativen Seite für mich ein dritter, gleichberechtigter Punkt. Ein Foto kann zwar technisch einwandfrei sein, doch genügt das schon für ein gutes Portrait- oder Aktfoto? Ich meine nein.

Das nachgestellte Ja-Wort

Es gibt tatsächlich Fotografen, die den gern angebotenen Vorschlag annehmen, nach einer Trauung eben diese nachzustellen, um sie fotografisch festhalten zu können (für Unkundige sei hier angemerkt, dass es oftmals verboten ist, während der Trauung zu fotografieren). Die gesamte Hochzeitsgesellschaft weiß um die Künstlichkeit solcher Szenerien und auch jeder aufmerksame Betrachter wird anhand der Fotos schnell feststellen können: Da stimmt was nicht. Das Brautpaar lächelt zwar, es küsst sich auch – aber eine bestimmte Nuance fehlt: Authentizität. Diese Authentizität fehlt auch unzähligen Fotografien, die mir vor die Augen kommen. Vielen Fotografen mangelt es scheinbar an emphatischen Empfinden oder sympathischen Auftreten – anders kann ich mir die vielen gestellten Fotos, welche von „professionellen“ Fotografen erstellt werden nicht erklären.

Grundsätzlich sagt mir jeder Kunde (Models schließe ich mal aus) beim ersten Gespräch: „Ich bin nicht schön. Mich kann man nicht fotografieren.“. Und wenn man den Kunden nicht vom Gegenteil überzeugt, kommen auch entsprechende Fotos heraus. Eben keine authentischen Bilder. Die Fotografien wirken gestellt. Nachgestellte Emotionen, wie in Plastik gegossen.

Nicht umsonst treffe ich mich vor jedem Fotoauftrag mit den beteiligten Personen: Man lernt sich kennen, erfährt ein bisschen was übereinander und ist beim eigentlichen Fototermin bereits perdu. Da ich meine Motive immer auf den Auftraggeber abstimme ist ein Vorgespräch für mich ohnehin unerlässlich. Die Motive müssen zum Charakter der Person passen. Der oder die Fotografierte soll sich auf den Fotos wieder erkennen können. Auch das wird oftmals nicht beachtet, weshalb viele an und für sich schöne Fotoideen danebengehen: Die Person sieht wie ein Fremdkörper aus. Irgendetwas passt nicht zusammen.

Zwischenmenschliches als wichtigste Zutat für ein perfektes Bild

Ein perfektes Bild spiegelt eine perfekte Zusammenarbeit aller Beteiligten wieder. Dazu muss die Stimmung gut sein – und die Stimmung ist nur gut, wenn man sich vertraut. Wenn alle Beteiligten von sich überzeugt sind und entsprechend gute Arbeit abliefern. Die Kunst eines guten Fotografen besteht für mich darin, sich eben nicht nur um Vorstellungen und Einstellungen zu kümmern, sondern auch und in erster Linie um die Person vor der Kamera. Daher mal ein kleiner Merksatz meinerseits, welchen man sich auch super auf ein Kissen sticken kann:

Als guter Fotograf versteht man sein Handwerk. Als sehr guter Fotograf versteht man die Person, die man ablichtet.

Was meint ihr: Welcher Aspekt ist der Wichtigste in der Fotografie? Welcher wird überbewertet? Schreibt uns Eure Gedanken per

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