Nachdem ich mich im ersten Teil (klick!) mit dem Vertrauensverhältnis zwischen Fotograf und Model beschäftigt habe und im zweiten Teil (klick klick!) auf die heutigen Schönheitsideale eingegangen bin folgt nun der dritte und letzte Teil meiner kleinen Blogserie, indem ich ein für mich einzigartiges Phänomen beschreiben möchte:

DIE MACHT DER MASKEN

Jeder von uns trägt sie tagtäglich auf. Lässt sie bewundern. Irritieren. Faszinieren. Der Mensch in der Gesellschaft ist ein Schauspieler. So sehr wir uns auch um Natürlichkeit und Ehrlichkeit bemühen: Das große Spiel der Selbstdarstellung ist tief in uns verankert. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Die sinnbildliche Maske abzunehmen erfordert Mut und Vertrauen oder Angst und Schrecken. Da ich mit der Angst und dem Schrecken weniger in Verbindung stehe, möchte ich jedem Fotografen gerne die ersten beiden Punkte empfehlen. ;)

WER IST MAN WIRKLICH?
Diese Frage können die Wenigsten von uns wohl hinreichend beantworten, ist eine Personenbeschreibung offensichtlich zu komplex um sie jemals komplett aufzulösen. Als Kunstfotograf webe ich meine Gedanken und Ideen in jedes meiner Bilder ein. Diese Botschaften sind manchmal rein ästhetischer Natur, im Regelfall allerdings verbirgt sich noch weitaus mehr dahinter. Arbeite ich mit Personen zusammen, möchte ich in ihr Innerstes schauen. Ich möchte wissen, wer sie wirklich sind. Nur so entsteht ein würdevolles, ehrliches Bild. Ein Portraitfotograf ist und bleibt halt ein Forscher.

MASKENBALL!
Bei einem Fototermin bin ich in der Pflicht meine Maske abzunehmen. Denn wenn nicht ich offen, durchschaubar und ehrlich bin, wird es mein Gegenüber sowieso nicht sein. Das sind einfachste Instinkte. Die erste Maske fällt also immer beim Fotografen. Da ich dieses „Prozedere“ bereits hunderte Male durchgemacht habe ist es für mich nicht weiter ungewöhnlich. Im Alltag setze ich die Maske zwar nicht häufiger ab, weiß aber wie ich mit ihr und den Erwartungen meines Gegenübers spielen kann. Meine Models (so sie nicht hauptberuflich und professionell als solche arbeiten) wissen oft weder, dass sie eine Maske tragen noch wie und wann ihre Maske fällt.

DER WAHRE CHARAKTER
Der wahre Charakter eines Menschen kommt erst dann zum Vorschein, wenn er nicht weiter er selbst sein muss. Paradox? Mitnichten! Erst wenn keine Erwartungen von Außen an mich herantreten kann ich sein, wie ich wirklich bin. Daheim lässt man die Maske fallen. Es gibt keine gesellschaftlichen Erwartungen mehr, wie man sich zu verhalten hat. Als Fotograf muss ich also vor allen Dingen klarmachen, dass auch ich keine besonderen Erwartungen hege sondern mich einfach auf das einlasse, was kommt. Das Model darf sich ganz wie zuhause fühlen. Eigene Musik, Essen und Trinken. Schönes Licht. Gute Stimmung. Ein gutes Fotoshooting ist nur indirekt anstrengend. Gute Fotos entstehen dann, wenn sowohl der Fotograf als auch das Model eine unsichtbare Verbindung eingehen und sich voll und ganz aufeinander einlassen. Die Masken ablegen. Sich wie zuhause fühlen. Ein bisschen wie auf der Couch. Wo wir dann auch wieder bei der Psychologie wären.

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