Regen

Die Dunkelheit erfüllt mich, wenn Kristalle auf die Erde fallen wie zerspringendes Glas. Wenn Pflasterstraßen zu fließenden Spiegeln sich vereinen und ich selbst gezwungen werde allein im Scherbenhaufen still zu halten und einzukehren.

Der Blick in den Spiegel der Straße ist unausweichlich, sind die Tränen von den Tropfen des Himmels Regen nicht mehr unterscheidbar, sind Wolken und Wille miteinander verbunden, ist der Fall einer Träne auch der Fall eines Tropfens, wird der See zu einem Meer, wird jeder Tropfen einer dunklen Wolke zu einer Träne widerwillen.

Wie kann so viel Dunkelheit herrschen, wenn weiße Perlen auf schwarze Schirme regnen? Melancholie lässt mich meinen Mann nicht stehen, werde zu Boden gedrückt von der grauen Wassermasse, die zwar die Erde betrunken macht und sie Farben sehen – mich jedoch ersticken lässt mit aller Grausamkeit der rachsüchtigen Mutter Natur.

Das Geräusch fallender Tränen braucht die Grundlage der Stille, um sie wahrzunehmen zu können, doch ist die Welt schreiend und schrill und keiner hört etwas von dem Wimmern und winseln meines wackelnden Willens… Was soll ich nur tun? Die Welt braucht meine Liebe nicht und kann mir keine geben.

Der Regen lädt ein abzutauchen in die dunklen Fluten, sich treiben zu lassen von der Angst, hoffnungslos sich der Macht des Meeres zu ergeben, sich von salzigen Wellen erst küssen und dann erdrücken zu lassen, sich der Strömung folgend immer weiter raus zu wagen in die Einsamkeit bis die Lungen prall gefüllt sind mit des Lebens eigentlichem Elixier.

Berstend verschlägt es einem dann den Atem, schnürt die Kehle zu und kühlt das heiße Feuer bis sich die Augen öffnend dann dem inneren Druck ergeben und kleine Diamanten zum Vorschein bringen, die Lungen erleichtern und den Körper reinigen.

Dann überkommt einem der Schauer über den Rücken, die Diamanten verschwinden im Meer, um eines Tages von einem Tiefseetaucher entdeckt und gewürdigt zu werden. In einer Vitrine sorgsam aufbewahrt funkeln sie dann im Sonnenlicht als Meisterstücke der Melancholie, ausgestellt nur für uns zwei, strahlend schön bis in alle Ewigkeit.

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