Auf dem Marktplatz

Sein Mantel ist schwarz und schwer und hängt. Er schwitzt. Er muss es tun: Das linke Bein ist verkürzt und das rechte eine Belastung.

Die Menschen um ihn herum tragen außer bunter Bekleidung nichtmal mehr ein Gesicht, das sie belasten könnte. Was dort auf ihn schaut ist der Schnappschuss zwischen leeren Seiten: Dort ein Turm, hier drüben eine Statue und das da, da vorn, das ist das Rathaus. Leblose Augen schauen auf mattierte Displays wie in einen sterilen Raum, wischen den Fettfilm mit dem Handrücken von der einen Seite zur anderen, drehen die Kamera, justieren ein Lächeln und dann die Notiz: Hier waren wir. Dort stand ich davor.

Wo die Luft ihre letzten Atemzüge nimmt, bevor sie in der dämmernden Hitze dieser Nacht verdampft und noch ehe sie die Lungen der nach ihr Hungrigen erreichen kann, dort steht er nun, nach Stunden noch des unermüdlichen Redens, im goldenen letzten Licht auf den Treppen des Doms, auf diesen ausgelaufenen Stufen, diesem steinernen Schmelz und atmet schwer unter der Last der Leere, die ihn umgibt.

Der gemeinsame Weg wird hier geschieden werden. Eine Kamera klickt und macht noch ein Bild von einem Kirchenturm. »Werden Sie niemals Stadtführer!«, sagt er dann. Er wiederholt den Satz in den kommenden Minuten noch einige Male, betont ihn keck und meint ihn wissend.

Ein Kollege beobachtet und räuspert sich. Er ist ebenfalls in antiquierter schwarzer Gewandung unterwegs, doch findet er seine bunte Gruppe nicht. Eine am Rathaus sitzende Debile ruft: »Du bist wohl der Sensemann, wa?« und lacht dem Tod spöttisch ins Gesicht. »Mich kriegste‘ nich!«

Da war die Leere plötzlich mit Bedeutung gefüllt.