Berliner Kristall

Ich liege auf Beton, der eine Bank sein soll und blicke nach oben. Wie ein stumpfes Messer schneidet die Silhouette den Horizont in graue Schichten.

Die meterhohe Glasfassade doppelt die Welt verdunkelnd und jede menschliche Regung wirkt wie ein Fleck auf den perfekten Flächen, die mein steinernes Bett umfassen wie die Mauern einer Psychatrie.

Es spiegelt sich die Eitelkeit ohne Horizont, fließend gehen Beton und Glas einander über, werden übergriffig, zeigen in Fenster und Fassade auch oder zuerst das Äußere, das Drumherum – und leer und seelenlos bleibt die Hülle ohne Kern und das Glas ohne Sprung, ohne Riss, ohne Alter, Falten und Verformung.

Zwischen Spree und Hauptbahnhof kann man das Papier schmecken, auf dem diese Bauten einst gezeichnet wurden. Man fühlt den Augen der Stadtplaner nach, die auf Displays starrten und die Überstunden im Blick hatten, ja, man kann diesen kultivierten Blick sogar in den Fassaden sehen, er erschließt sich metaphorisch in den spiegelnden Glasflächen wie auch dahinter.

Zwischen den Flächen flirrt das Licht, es fliehen die Farben fort und entsättigen sich von Fassade zu Fassade, um in Transparenzen Kontur zu finden. Berliner Kristall ist zerbrochen.