Blick aus dem Auto

Der Motor verweigert dem Benzin die Luft. Eine Karosserie nähert sich mit hungrigem Knurren und schiebt sich drohend als Schatten durch die Schneise aus Licht, während vor dem Steintor die Sonne untergeht. Wenn Automobile Charakter zeigen, verortet man sie im Nirgendwo zwischen »Schaut mich an« und: »Ihr habt nicht das Recht, mich anzuschauen.«

Blenden und geblendet werden. Der Blick der Menschen im Inneren ist synthetisiert, ist nicht mehr der erste oder der neue, der unverstellte Blick. Er ist die Prothese für das, was einst Beachtung war, wo sich Sehnsucht ängstlich versteckt, etwas, das Liebe ohne Gegenwert fühlen wollte und nun mit unbeweglicher Herrschaftlichkeit den Verlust eben dieser Kindheit korrigiert.

Wie wird dieser Blick altern?

Welche Landschaften werden diesen Blick formen, der die Beachtung sucht und Verachtung vorgibt? Wie wird das, was sich hinter poliertem Chrom luftdicht der Welt verschließt, reifen? Was ist man ohne Kratzer, Rost und Reifenpanne? Was wird übrig bleiben vom maschinellen Habitus, wenn erst der Lack zerkratzt, die Zündkerzen erloschen sind?

Die Gesichter zwischen den Scheiben sitzen feinjustiert, verschraubt und verschalt auf freigelegten Hälsen. Ein Blick auf Distanz zum Nächsten, Sonderausstattung zwischen Tür und Schaltknüppel.

Surrend fließt der Verkehr vorbei, betont langsam gehen sie in ihm unter.