Weine nicht, kleiner Mann

Weine nicht, kleiner Mann
Deine Tränen fließen nicht
Vergießen sich
einen Winter lang
Dein Gesicht so verängstigt weiß und schuldig bang
Vermisst Du Dich im Trüben
Siehst dich hinter der Scheibe noch
Dein kindliches Lachen üben
Doch Dein Auge matt vor Lügen
Lässt Dich keinen Schein mehr trügen
Belügen und betrügen
Ist die Reife das?
Dich selbst belügen und betrügen
Ist die Schönheit einer Träne
Vollkommen wie die Sehnsucht
nach der Einen, der Liebe?
Du ziehst den Regen an
Das Fenster offen stehend
Die Dunkelheit in ihren Bann
Die weinenden Augen sehend
Dich selbst im zerspringenden Glas
Eben noch im Bett
Stehst jetzt auf dem Brett allein
Der Drang nach oben – hoch hinaus
Er ist vorbei. Es ist aus.

Und es weint ein Kind

Ein See aus Silber,
Es rauscht der Wind,
Der Herbst malt seine Bilder
und es weint ein Kind.

Die Eltern… wer sie waren?
Und wo sie heute sind?
Keiner wird es mehr erfahren
Und in der Stille weint das Kind.

Den bunten Drachen in der Hand
Einsam sich die Freiheit nimmt
steht im Nachthemd versunken im Sand
frierend – das weinende Kind.

Der Drachen will sich weiter heben
Regen über die Wange rinnt
Das Kind reißt er aus dem Leben
Und fliegt hinauf geschwind.

Frau aus der Ferne

Eine Wolke schleicht sich vom Himmel fort, flaniert über den Asphalt, trägt den Schirm für Regen auf, an der Bude steht ein Mann – sehr alt. Das Parfum der Dame neben ihm erinnert an den verzauberten Bonbonladen und den großen Augen dann, an das Fenster, dass das süße Lächeln spiegelt und die kleinen Hände an der blanken Scheibe dran.

Alt mag sie sein, doch erwachsen ist sie nicht: Denn wenn sie heute durch die Scheiben auf das süße Treiben blickt, hat sie dasselbe Gesicht.

SÜSS-SÄUSELNDER WIND

Süss-säuselnder Wind,
Du reisende Seele dieser Welt,
Du, der Du Luft und Leben vereinst, ja,
gar ein Blütenblatt zum Ballett belebst,
Du… bist… meins.

Einsam. wie ich bin – ganz ohne Dich,
was brauch ich schon zum Glücklichsein?
Berühre, begehre und verführe mich.
Ich… bin… Dein.

Oh, süss-säuselnder Wind, ja,
trag‘ mich über Klippen fort zum Meer
Ich war mir doch so sicher; im März auf dem Feldweg
Doch die Luft dort ist heut‘
schwer… und… leer.

Du stehst still und schaust fragend auf diese Welt
rührst dich nicht auf dem Feld aus dem Heu
Der Regen fällt und fällt und fällt
Und nur Tränen bleiben mir noch treu

Du… Wind. Oh weh!
Was hast‘ mir einst versprochen – und
jetzt trocknest Du die Tränen nicht?!
Du hast mein Herz im Sturm gebrochen
Einsam fall ich hinein
in mein eigen‘ Gewicht.

Oh, süss-säuselnder Wind!
Da bist Du wieder! Ich lausche Deinem guten Ton, ja,
ich fühle Dich ganz und gar!
Der letzte Atemzug hat uns verbunden
und war so seltsam wunderbar.

LIEBES LEBEN

Du, das einzig Wahre
Betrügst mich all die Jahre
Schon, verkaufst Dich als Ware
Nur, bist nicht das reine Klare

Gefühle, rare, sie verschwinden
hinter dem Schafott binden
sie bereits das rote Tuch der
blinden Liebe auf Geheiß der
ewigen Einsamkeit weiß
jeder der jemals innig heiß liebte
dass sie wahrlich nur nicht ewig ist,
die Liebe.

Rotes Tuch im Winde wehend
die Augen offen sehend des Messers Schneide
blanke Schärfe im glitzernden Kleide
Ein Klischee, ein Fallbeil der Gesellschaft
Ruiniert Köpfe voller Leidenschaft
Köpfe voller Liebe sind am Ende Opfer
einfachster Triebe und so schlägt am Ende
immerzu: Der einfache Trieb das alte Tabu.