Die Stimme

Ein Mann, der sonst mit Kinderpuppen und Klampfe am Straßenrand sitzt, trägt in der Hand nur noch eine Zigarette. Das Licht entsättigt sich mit kühler Brise und führt den blauen Rauch in die beginnende Sommernacht über.

Wenn er die Lieder der Freiheit mit säbelnder Stimme besingt, um im nächsten Moment mit Handpuppen zu spielen, wirkt er fremd in einer Straße, in der jeder etwas ganz bestimmtes sein will.

Vor einigen Tagen saßen seine Handpuppen wie zum Familienfoto feierlich aufgereiht neben ihm auf der Parkbank, gestern dann hingen sie hilflos mit weit aufgerissenen Mündern aus einer ergrauten Sporttasche heraus und suchten nach der Stimme, die für sie ein Wort ergreift und schreit.

Sein Platz heute ist der überdachte vor dem Laden. Dort sitzt er nun – statt ihm spielt jetzt das Radio. Feierabend. Die Handpuppen liegen liebevoll zugedeckt auf seiner Matte im Hauseingang. Wir schauen uns kurz in die Augen. Sein Blick ist grau geworden. Dann sagt er mir mit einem, mich beiseite nehmenden und fixierenden Ton: „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern.“ Er sagt es nachdrücklich. „Du sollst Gott, deinen Herrn, nicht herausfordern. Hörst du mich?“. Es kommt ermächtigend. Hämisch. Er sagt es auch noch, als ich längst am Horizont verschwunden bin.