Im Tunnel

Er kräht. Es ist das Herz, welches seine Stimme mit dunklem Rost belegt und blutrot gefärbt haben muss. Die Ballustrade seiner Rede ist brüchig, die tiefen Töne staubig und trocken, das Timbre ausgehöhlt und dem Zusammenbruch nahe.

Verloren muss das Gesicht sein, dass ich nicht sehen kann, verwahrlost die eigenen Versprechungen und Hoffnungen, die nie schwerer wiegen sollten, als in diesem Moment.

Ein Schrei ohne Körper, ein Schmerz ohne Widerstand.

Die Tränen rollen durch sein Libretto, welches die Worte ersticken lässt und sich nicht mehr in Definitionen verfangen möchte, sondern die großen Fragen verhandeln will: Keiner außer mir.

In diesen Furor, dessen treibende Kraft das eigene Bedauern ist, plätschern die Tränen wie der Regen, vor dem er in diesem Tunnel Zuflucht finden wollte. Doch bleibt das Grollen und die Kälte ganz bei ihm, als würde er die Wolken an der Leine halten wie einen Regenschirm, der regnet.

Der Tunnel bietet ihm einen Gesprächspartner ohne Widerworte: Sein Echo wirkt wie ein Verstärker der Gefühle und hört ihm zu, pflichtet ihm bei und wiederholt mantraartig jeden Ausdruck, der nun sphärisch durch das Dunkel geistert. Dann wird es still. Eine Flasche fällt zu Boden, eine neue wird geöffnet. Dann stoßen sie einander an. Es ertrinken die Worte, die keine sind. Das Gespräch, welches keines war, rauscht wie eine Welle durch die Unterführung. Neben seinem Echo schläft er ein. Dort, wo ein Lichtschein schon die ersten Tropfen trocknet, verebbt die letzte Botschaft.

Was bleibt, ist ein stummer Mann unter seinem dunklen Schatten.