FOTOSERIE

DAS LICHT FÄLLT WIE
EIN SCHLEIER

GESCHRIEBEN VON PHIL PORTER
Bremen, den 15.05.2020

4:30 Uhr am Morgen. Das Licht kommt wie ein Schleier durch das Fenster. Die ersten Vögel beginnen, den Straßenzug zu beleben. Es ist wahrlich nicht die richtige Uhrzeit, aufzustehen. Jede Funktion meines Körpers verneint die anstehende Aufgabe, den Tag zu beginnen.

Was ich hier gerade erlebe, gleicht einer Rebellion ohne Efet, ohne Stolz und ohne Energie. Phlegmatisch schlafwandle ich ins Bad, um zu duschen.

Jetzt endlich erwacht auch der Geist. Gleich also ist es soweit: In weniger als 20 Minuten werde ich Ibrahim vor der Basilika im Bremer Viertel treffen. Ich werde ihn begrüßen, werde ihn in mein Auto einladen und wir werden gemeinsam einem Wetterphänomen nachspüren, dass sich eigentlich gerne im Spätsommer ankündigt und letztendlich im Herbst ausbreitet.

Nun aber ist es Mai. Doch schon besonders kontrastreich, was die Temperaturen bei Nacht und bei Tag angeht. So also hoffen wir, Glück zu haben. Im Bremer Blockland wollen wir heute dramatisch-anmutende Fotografien entstehen lassen. Portraitfotos mit cineastischer Note.

EIN KRIMI IM NEBEL

Wir haben uns spontan am gestrigen Abend für heute morgen verabredet. Vermehrt sehe ich bei einigen Kollegen auf Instagram derzeit schöne Sonnenaufgänge hinter traumhaften Landstrichen bei Nebel und goldenem Licht. Ich habe mich gefragt, ob man diese Naturaufnahmen nicht mit einer Person beleben und weiter intensivieren könnte. Ibrahim erschien mir dafür perfekt: Als Schauspieler konnte er in der einen oder anderen Krimi-Produktion mitspielen – nun also auch in meiner.

In meinem Kopf schwirrten monochrome Motive herum. Dass die Fotos letztendlich farbig – wenn auch stark entsättigt – sind, ist dem einzigartigen Licht zu verdanken, welches das Bremer Blockland in einen farbigen Dunst tauchen sollte. Und während der Tau gefroren an den Gräsern klebte, rannten wir gemeinsam ohne Weitsicht in die Ferne. Willkommen im Film!