Wer wollte ich sein?

Ich war ein Matador,
ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Sache,
einer, der den Duft der schönsten Männer und Frauen zusammenbrachte,
dessen Lippen hielten, was die Worte versprachen,
dessen Augen sagten, was die Sprache nicht vermochte zu sagen
Und wer wollte ich sein?
Ein Mörder, ein guter gar,
mit Geld, Geschmack, Grenzenlos – unsagbar!
meine Klinge so scharf wie mein Verstand,
meine Verehrung lähmt ein ganzes Land,
mein Ruf ist schneller als der Schall
meiner Pistole enteilender Knall
Meine Opfer hack‘ ich kurz und klein
Doch wer wollte ich sein?
Ein Rebell, der raucht und trinkt,
der Jeans, die Muskeln und alles mit sich bringt,
von Männern gefürchtet, von Frauen verehrt,
von Spiessern verachtet… der das Fürchten lehrt.
Der Hitze entfacht mit unterkühltem Blick
Sich unbedacht nimmt zum Schluss den Strick
Das Ego zu groß, das Herz zu klein
Doch wer wollte ich sein?
Ein Denker, der Charmante, ein Tier,
ein Schamane, Trickbetrüger, der Verwandte,
der Freund, der Feind, der Dich versteht,
ein Geschichtenerzähler, Perlentaucher und Poet,
das Kind, der Lehrer…
Dein Vater und auch Dein Verehrer
Tag aus – Tag ein.
Doch wer wollte ich sein?
Eine Kopie einer Fantasie eines Fremden,
Als Lethargie gegenüber meiner Seele enden.
Ich wollte immer werden und war nie wer
War nie ich selbst – nicht allzu sehr.
Doch schau mich an: Ich bin jetzt da.
Meine Silhouette ist messerscharf und klar
Ich bin der Rausch, der Fluss, der Sturm,
das leuchtende Feuer auf dem Turm
Ich bin Kavalier und Kavaliersdelikt
Deine Uhr die immer schneller tickt
Die treibende Kraft hinter der Stärke
Die weiche Seite einer neuen Härte
Bin angekommen und doch schon weiter
Zurück wird es trüb
Nach vorn ist es heiter.